sven hoffmann | Shaped Photographs

 

 

 

SHAPED PHOTOGRAPHS

 

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Sven Hoffmanns jüngst entstandene Serie „shaped photographs“ zeigt Wasserbilder in bestechend kristallener Klarheit. Jedoch werden die Fotos nicht in das klassische, rechtwinklige Bildformat gebannt – vielmehr scheinen sich eigenmächtig unregelmäßige Formen mit kurvigen Rändern zu entfalten.

 

Nicht nur durch ihre Benennung als „shaped photographs“ rekurrieren die Arbeiten auf die „shaped canvases“ von Frank Stella, mit denen der amerikanische Künstler in den 1960er Jahren eine neuartige Bildauffassung entwickelte. Gestalterischer Ansatz war, dass Motiv und Form sich gegenseitig bedingen: Nach ersten buchstabenförmigen Anordnungen (L, T, U, N usw.) entstanden ab 1965 die „Irregular Polygons“, mit denen Stella Malerei und Plastik, Zweidimensionalität und Dreidimensionalität, Fläche und Raum miteinander verschmelzen und in eine neue Beziehung zueinander treten ließ. Stella behandelt die klassische Leinwand mit den Strategien der Bildhauerei.

 

Doch anders als Stella, der seine Bildobjekte als zumeist geometrische Formen entwarf, lässt sich Sven Hoffmann von der vermeintlich planlosen Oberflächenstruktur des Wassers leiten und macht ihr innewohnende Formen sichtbar. Dabei verläuft der Arbeitsprozess so, dass zunächst aus der Originalfotografie, entlang der durch Strömung und Lichtreflexe entstandenen Linien, von Hand eine Form herausgeschnitten wird. Diese Vorlage wird anschließend in einen digitalen Schneidepfad umgewandelt, mit UV-beständigen Lösungsmittelfarben in gewünschter Größe auf Aluminium-Verbundplatten gedruckt und zuletzt entlang der Konturen aus der Platte gefräst. Die so entstandenen „Geformten Fotografien“ tragen Titel wie „Amorphes Wasser“, „The Elephant“, „Daumenwasser“, „Zipfelwasser“ oder „Pudel“, spielen also mit der Fantasie, in abstrakten Formen konkrete Motive zu erkennen.

 

Indem die „shaped photographs“, die in ihrer größten Ausdehnung einen Durchmesser von etwa 150 cm erreichen, in geringem Abstand vor die Wand gesetzt werden, fordern sie auch eine Wahrnehmungsweise heraus, die zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, Dynamik und Stillstand, Realität und Fiktion changiert. Die Bilder scheinen zu schweben, mit jeder Bewegung des Betrachters im Rhythmus der eingefangenen Wasserströmung zu fließen und den Blick in eine tatsächliche Tiefe bis auf den Grund des Wassers zu ziehen. Es sind Wasserinseln mit zerklüfteten Küsten inmitten weiter Landschaften, den Ausstellungswänden, die hier der eigentliche Bildträger sind und den Bildrahmen ersetzen. Hoffmann bedient sich der Tektonik des Motivs und behandelt die Fotos mit bildhauerischer Rhetorik.

 

 

 

BILDARCHIV

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BOOK

 

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